Die Qual der Wahl: Apple, Android oder Microsoft? Tablet, Smartphone oder Desktop PC?

Drei Platzhirsche buhlen um die Gunst der Anwender. Obwohl die großen Überraschungen ausbleiben, beansprucht jeder der drei recht eindeutig eine Sparte für sich. Wir haben die mobilen Nutzer anhand der Konvertierungsrate mit den Desktop Nutzern verglichen und wichtige Annahmen unterstrichen

In der vergangenen Woche hatten wir einen Vergleich zwischen zwei Domains gezogen – bei der einen Domäne hatte der Kunde unseren SEO Vertrag vor zwei Jahren ohne erkennbaren Grund gekündigt und damit die SEO Arbeiten einstellen lassen. Die andere Domain wurde in dieser Zeit weiterhin für Suchmaschinen auf Ranking und Sichtbarkeit optimiert.

Heute wollen wir uns einen weiteren Vergleich ansehen: dieses Mal stehen nicht zwei unterschiedliche Domains im Blickpunkt, sondern die technischen Geräte, die die Webseiten anzeigen – genauer: deren Betriebssysteme. Dass der Anteil der mobilen User in den letzten 4 Jahren exponentiell gewachsen ist sollte niemandem entgangen sein, wahrscheinlich ist schon allein der subjektive Eindruck wie oft jeder von uns heutzutage in die (bei mir) Jackentasche greift um nach dem Mobiltelefon zu fischen, Anlass genug über mobile Nutzer auf der Webseite nachzudenken. Und über die Probleme, die diese Nutzer im Umgang mit der eigenen Webseite haben.
Während des Vergleiches in der letzten Woche fiel mir auf, dass die Quantität und auch die Qualität der mobilen Zugriffe (hier in Bezug auf das Verhalten), stark mit dem responsiven Relaunch der bis dato nur auf Desktop-Nutzer ausgerichteten Webseite reagierten. Grund genug also bei diesem Thema noch ein wenig mehr in die Tiefe hinabzutauchen!

Die Fragestellung: Verhalten sich Windows oder Android Nutzer anders als MacIntosh User (OSX & iOS gleichermaßen)?

Zuwachskurve an mobilen Nutzern

Chart über den Zugewinn mobiler Nutzer – recht eindeutig verhält sich die Kurve ab Beginn 2014: Hier launchten wir die responsive Webseite. Um den zeitlichen Verlauf und die Entwicklung besser sehen zu können, greift dieser Chart den Auswertungszeitraum 1. Dezember 2012 bis 30. September 2014 auf.

Um sich dieser Frage qualitativ zu widmen, habe ich mir die mobilen Zugriffszahlen des Kunden herausgesucht, dessen Domain schon in der letzten Woche im Mittelpunkt stand (der „SEO Kunde“). Die mobilen Zugriffe habe ich dann kurzerhand noch gegen die Zugriffsstatistiken der Desktop User gehalten und nach Gleichklang oder Andersartigkeit gesucht.

Kurz zur ausgesuchten Domain: Der Kunde kommt aus der Eventbranche, betreibt seit vielen Jahren unter derselben Domain eine Webseite mit seinen Produkten. Mittlerweile ist der Content, also vor allem seine Produktinformationen, extrem gut gegliedert und in mehreren Themenwelten zusammengefasst und organisiert (Google „liiiiebt diese Seite“ ;-) )
Wir messen Ziele und optimieren SEO & SEA anhand dieser Ziele. Um es im vorliegenden Vergleich den mobilen Smartphone Nutzern schwer zu machen, hab ich ausschließlich die Zielerreichungen beim vollständig ausgefülltem (in Bezug auf die Pflichtabgaben) und mit Captcha Code gesicherten Formular berücksichtigt.
Für Smartphone Nutzer ist natürlich das Telefontracking wesentlich conversionfreundlicher, aber ich habe mir bewusst das für mobile Nutzer extrem hemmende Kontaktformular ausgesucht weil es schlichtweg wesentlich öfter als Zielkriterium dient als das Telefontracking.

Grundlegende Daten

Auswertungszeitraum ist der 23. Oktober 2013 bis zum 23. Oktober 2014 – sofern angegeben im Vergleich zum exakten Vorjahreszeitraum.
Über alle Devices hinweg verzeichnet die Kundendomain ein Wachstum von 63%. Im Bereich der Desktop Nutzer konnte der Kunde 44% an „Sitzungen“ zunehmen – insofern ein lupenreines Wachstum denn bei vielen Domains werden die steigenden Zugriffe via Smartphone & Co. dem nichtsahnenden Unternehmer als Wachstum „verkauft“. Das dieselben mobilen Nutzer einfach anstatt zum stationären Rechner lieber zum Handy greifen, wird oft genug nicht verraten. Insofern geht der Wachstum mobiler Nutzer also zu Lasten der Desktop-Besucher und es findet nur eine Umverteilung des eingehenden Traffics statt. Wie weiter oben gesagt, trifft das aber definitiv nicht bei unserem Kunden zu.

Mobile Zugriffe wachsen wesentlich rasanter als Desktop Besucher:

Während die Tablets 157% mehr Besucher als ein Jahr zuvor erwirtschaften, trumpfen die Smartphones mit über 200% Zuwachs auf.

Die mobilen Nutzer

Überproportional starkes Wachstum bei mobilen Geräten

Überproportional starkes Wachstum bei mobilen Geräten

Klar abgrenzen möchte ich zunächst die mobilen Nutzer von den Tablet`s, die kommen nämlich an späterer Stelle auch noch an die Reihe. Hier geht es wirklich nur um die Smartphone`s, zugegebenermaßen ist diese Gruppe aber aufgrund der immer größer werdenden Displays (zuletzt beim iPhone 6+) schwerer von den Tablets abzugrenzen. Solang uns Google Analytics aber die Segmentierung noch anbietet, benutze ich sie und beziehe mich darauf.

Android Geräte überholen iOS

Während im Vorjahr Apple noch mit etwa einem Drittel mehr Zugriffe als Android den Kampf für sich entscheiden konnte, haben Android Geräte mittlerweile iOS recht deutlich überholt (wiederum um etwa ein Drittel). Interessantes Detail ist, dass sich in beiden Jahren jeweils der Platzhirsch mit einen Anteil von 55% gegenüber dem Verfolger mit 42% am Gesamtvolumen der mobilen Zugriffe durchsetzte – nur dass es im Zeitraum 2013 iOS war und nun Android.
Beide Systeme zusammen machen also 97% des gesamten Smartphone Traffics aus, nur geht in 2014 Apple als Verlierer vom Platz.

In Bezug auf die conversionrate beim Kontaktformular lässt sich aber festhalten, dass Apple trotz nicht ganz so nutzerorientiertem Keyboard mit etwas über 1% besser konvertiert als Android, deren conversionrate liegt nämlich nur bei 0,73%, bei besserer Tastatur wohlgemerkt. Zum Vergleich: die durchschnittliche conversionrate über alle User Devices hinweg liegt bei (sagenhaften) 2,17%.
Dank der besseren Konvertierungsrate und des nicht ganz so großen Rückstands beim eingehenden Traffic liefern iOS Nutzer sogar absolut mehr Konvertierungen als Android Smartphone-Besitzer!

(Fast) völlig bedeutungslos – sowohl in Bezug auf die Quantität wie auch Qualität der Besucher – sind Windows, BlackBerry & Co. Alle zusammen bringen knapp mehr als 2% Anteil am Gesamttraffic und an den Konvertierungen.

Die Tablet`s

Hier dominiert Apple den Markt sehr deutlich: 74% aller Tablet`s hat iOS an Bord. 25% entfallen auf Android. Der klägliche Rest, dieses eine Prozentpünktchen, teilt sich Windows (0,33%) mit BlackBerry (0,06%) und Linux (0,01%).
Interessanterweise punktet in Bezug auf die Konvertierungsrate aber Android: 1,58% aller Nutzer tippen brav ihren Namen, Anschrift, Mietzeiträume, Notizen und den Captcha Code auf die virtuelle Tastatur, was im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 50% entspricht.
Die iPad in-den-Händen-Halter konvertieren „nur“ mit 1,28%, legen dafür aber im Vergleich zum Vorjahr gleich eine um 100% bessere Konvertierungsrate aufs Retina Display. An der Tastatur wird es wohl nicht liegen – zwar erlaubt iOS mittlerweile virtuelle Keyboards von Drittanbietern, aber allein die werden meiner Meinung nach nicht alleinverantwortlich sein.

Beide Systeme zusammen stellen 99,6% des gesamten Tablettraffics – nur 0,4% gehen an alle anderen zusammen.
Spannend ist hier, ob sich die Produktmarketingstrategen aus Mountain View mit dem dominierenden Apple Konkurrenten abfinden oder ähnlich wie bei den Smartphones auch hier stark aufholen können oder es zumindest wenigstens versuchen.

Für mich persönlich stellt sich die Frage warum die Tablet-Nutzer trotz des eigentlich ausreichend großen Bildschirmes doch deutlich schlechter konvertieren als die Desktop User? Liegt es wohl eher an den Eingabefeldern oder an der Tastatur? Vielleicht ist auch der Moment ein entscheidendes Kriterium – ich persönlich nutze das iPad häufig „nur mal eben“ zur Recherche. Aufwendige Suchen oder ernstgemeinte Kommunikationsabsichten könnten wohl auch in Zukunft eher Desktop Nutzern zugesprochen werden.

Die Desktop User

Erwartungsgemäß hoch ist die Anzahl der Desktop Nutzer mit Windows Betriebssystemen: 86% aller zugreifenden Rechner werden von einem Betriebssystem aus Redmond in der Nähe von Seattle, Washington angetrieben, dem Hauptsitz von Microsoft. MacIntosh Rechner bringen es im direkten Vergleich nur auf 12% – die übrigen 2% verteilen sich auf Linux, Chrome OS, Android und einige Spielkonsolen.
84% aller Desktop Konvertierungen werden von Windows Systemen erreicht, die Mac`s tragen mit 15% zum Gesamtergebnis bei. Interessanterweise liegt dadurch bei den Mac`s die conversionrate über dem Durchschnitt aller Devices und etwa ein halbes Prozentpünktchen höher als bei Windows: 2,4% zu 3,10%.

MacIntosh Nutzer an Desktop Rechnern konvertieren webseitenübergreifend am besten

Windows ist das mit Abstand verbreitetste Betriebssystem bei Usern mit stationären Rechnern.
ABER: Die Konvertierungsrate bei Desktop-MacIntosh Nutzern ist überdurchschnittlich und webseitenübergreifend der Topwert mit über 3% konvertierungsfreundlichkeit

Unterstellt man den Apple Nutzern jetzt sie würden werthaltiger sein als Windows User, so unterstreicht auch eine Untersuchung der Absprungsraten diese These: Mit Ausnahme bei den Tablets sind die Absprungsraten bei Apple Besuchern stets geringer als bei Microsoft Bedienern. Ob das allerdings als statistisch relevanter Beweis ausreicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
In jedem Falle ist das Unternehmen rund um Tim Cook in der Liste der Top 5 der meistbesuchten Betriebssysteme gleich dreimal vertreten – die beiden anderen Plätze gehen einmal an Microsoft und einmal an Android:

Die TOP 5 der meistbenutzten Devices inkl. der Betriebssysteme

  1. Desktop Nutzer mit Windows Betriebssystem (67%)
  2. Desktop Nutzer mit MacIntosh Betriebssystem (9,28%)
  3. Smartphone User mit Android (8,44%)
  4. Smartphone User mit iOS (6,34%)
  5. Tablet`s mit iOS (5,86%)

Auf Platz 6 aller Zugriffe stehen Android Tablet`s, die können aber aufgrund des deutlichen Rückstandes (sie kommen lediglich auf knapp 2%) zu den iPad`s auf Platz 5 nicht mehr ins Geschehen eingreifen.

Fazit:

Die ganz großen Überraschungen bleiben aus – Microsoft punktet deutlich und fast uneinholbar bei den stationären Rechnern, spielt dafür im mobilen Bereich gar keine Rolle.
Android kann als Betriebssystem bei Smartphones überzeugen und überholt iOS in nur einem Jahr – Tablet`s hingegen scheinen nicht so beliebt bei Androiden zu sein.
Apple spielt in allen drei Märkten gut mit. Zusätzlich domininiert iOS den Tabletmarkt mehr als nur deutlich.

Mit mobilen Nutzern ist zu rechnen, sie machen bei dem untersuchten Kunden einen Anteil von über 30% am Gesamttraffic aus. Das Ziel für die Zukunft ist auch klar zu umschreiben: Webseiten müssen für mobile Nutzer conversionfreundlicher werden. Smartphones brauchen bedienbare Formulare, besser wahrscheinlich wäre es, wenn die im Smartphone verankerte Telefoniefunktion stärker benutzt wird – beispielsweise indem auch ausserhalb der Geschäftszeiten ein separater Anrufbeantworter geschalten wird, der es den Smartphone-Fingerakrobaten erleichtert eine Rückfrage oder sogar Bestellung zu hinterlassen.

Wie weiter oben schon angeklungen bin ich unschlüssig in der Frage warum Tablet`s gleich um einen ganzen Prozentpunkt schlechter konvertieren als Desktop Besucher.
Dass Tablets kontaktformularfreundlicher als Smartphones sind, verwundert nicht. Ich denke, dass wir uns intensiver mit der Usability bei Kontaktformularen hinsichtlich Tablets und Smartphones auseinandersetzen sollten, bevor wir weiter Visibility aufbauen, deren Besucher auf die Webseite strömt aber dort am Nadelöhr Kontaktformular weniger erfolgreich konvertiert.

Dirk Preuten

Dirk ist seit 2008 geschäftsführender Gesellschafter der conversionmedia GmbH & Co. KG, einer Online Marketing Agentur mit Sitz in Dinslaken am Niederrhein. Seit dieser Zeit betreut er auch den Fachbereich Suchmaschinenoptimierung und betreut vor allem die Großkunden der Agentur. Unregelmässig twittert er auch oder beschäftigt facebook & Google+.